Projekt „Ich, der Europäer“

Immer mehr Kinder wachsen in multikulturellen und mehrsprachigen Familien auf. Europäisch sein heißt für sie: Schule und Heimat in Deutschland, Urlaub in Polen. Es ist Papa aus Paris und Mama aus Rom. An den Feiertagen vermischen sich Traditionen, Gerichte und Geschichten. Die Kinder bewegen sich frei zwischen den Kulturen, ziehen daraus die besten Modelle, suchen nach Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten.

Bücher

Großvater Thomas

Großvater Thomas ist phantasievoll und in seiner Gesellschaft sind alle Kinder glücklich und niemand langweilt sich. Bis…

Eines Tages verkündet der Bürgermeister, dass zum Wohle und zur Sicherheit aller Großmütter und Großväter diese an einen Ort namens „Glückliche Heimat” gebracht werden. Die „Opa-Fänger” treten in Aktion, und Großvater Tom wird bei einem Rollschuh-Rennen eingefangen. Im Schutze der Nacht holen Busse die Omas und Opas ab, um sie in die „Glückliche Heimat” zu bringen.

Die Kinder sind traurig und erkundigen sich nach ihren Großeltern, die sie aber erst nach langer Zeit in einer Reportage im Fernsehen sehen können. „Glückliche Heimat” ist in der Tat schön und exquisit eingerichtet. Die Kinder merken aber sofort, dass die Großmütter und Großväter darin gar nicht glücklich sind, also beschließen sie, sie von dort zu befreien.

Wird die Kampagne zur Rettung von Omas und Opas Erfolg haben? Lesen Sie weiter!

Ein Traum in Venedig

Marko lebt in Venedig, einer außergewöhnlichen Stadt, die auf Inseln gebaut wurde, und die Adria zieht ständig ihre Wellen für sie.
In der Schule erzählt die Lehrerin den Kindern von der Geschichte der Stadt, ihrer Schönheit und ihrer Zukunft – eines Tages wird das Meer Venedig ganz verschlucken. Diese Unterwasser-Vision der Stadt wird zum Thema des Kunstunterrichts. Die Lehrerin bittet die Kinder, Pinsel, Buntstifte und andere Utensilien zu nehmen, um ihre Vorstellungen von der Unterwasserstadt darzustellen.
Nachts denkt Marko über seine Zeichnung nach, auf die er die Figur einer kleinen Meerjungfrau gemalt hat, mit der im Wasser versunkenen Stadt im Hintergrund. Plötzlich klopft jemand an das Fenster. Es ist die kleine Meerjungfrau, die sich bei Marko dafür bedankt, dass er sie ins Bild gesetzt hat und ihn einlädt, die echte Unterwasserstadt zu sehen!
Was hat Marko gesehen, als er von der Meerjungfrau durch die Wasserwelt geführt wurde?

Die verlorene Sonne

Einst lebten die Menschen in Holzhütten, die im Wald standen. Jeden Abend entzündeten sie ein Feuer auf dem Gipfel des Berges. Auf diese Weise verehrten sie die Sonne und zeigten ihr genau, wo sie am nächsten Morgen aufgehen sollte. Jahre später lebten sie in Häusern aus Stein und Ziegeln. Allmählich vergaßen sie die Sonne, die umgebende Natur … Bis die Sonne eines Tages hinter den Smog- und Rauchwolken verschwand.

Diese hochaktuelle Geschichte wurde 1973 von Štěpán Zavřel geschrieben und illustriert. Jetzt ist es erstmals in Polen in einer Übersetzung von Natalia Mętrak-Ruda erschienen.

Im Buch finden Sie einen QR-Code mit einem Hörbuch (vorgelesen von Magda Karel).

Autoren:

Štěpán Zavřel (1932–1999)

wurde in Prag geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in der Tschechoslowakei, wo er an der Fakultät für Kinematographie studierte und sich mit Animation beschäftigte.

Im Jahr 1959 verließ Zavřel die Tschechoslowakei. Nach einer dramatischen Flucht landete er in einem Flüchtlingslager in Triest, von wo aus er später nach Rom reiste, um an der Akademie der Schönen Künste (Accademia di Belle Arti di Roma) Malerei zu studieren. Bald zog er nach Deutschland, wo er sein Studium an der Kunstakademie in München am Lehrstuhl für Szenografie und Kostümgestaltung fortsetzte. Von 1965 bis 1968 lebte er in London, wo er im Richard Williams Studio bei Animationsfilmen Regie führte.

Štěpán Zavřel reiste durch ganz Europa, bevor er sich 1968 in Rugolo (Sàrmede) niederließ, einem kleinen Dorf in der Region Venetien in Italien. Er kaufte ein verlassenes Haus, das mit der Zeit zum Zentrum des künstlerischen Lebens für viele Künstler aus Europa und darüber hinaus wurde. Heute ist dieses kleine Dorf in der Nähe von Treviso wahrlich ein Märchenland. Zusammen mit Künstlern aus verschiedenen Ländern hat Štěpán Zavřel viele Gebäude mit Fresken geschmückt, darunter auch öffentliche Gebäude. Eine spezielle, dem Künstler gewidmete Dauerausstellung im Museum zeigt rund 80 Werke von Zavřel.

Zavřel hat seine Arbeiten in vielen Museen und Galerien auf der ganzen Welt präsentiert, darunter in Norwegen, der Schweiz, Südafrika, den Vereinigten Staaten, Mittelamerika und Spanien. 1982 präsentierte das Metropolitan Museum of Art in New York seine Werke in der Ausstellung „Venice of Tomorrow”.
Im Jahr 1983 initiierte er die Gründung der „Internationalen Ausstellung für Kinderbuchillustration”, die heute als „Le Immagini della Fantasia” bekannt ist. 1988 gründete er die International School of Illustration, die auch heute noch aktiv ist. Seine Dozenten sind berühmte Schöpfer der Kinderliteratur, unter ihnen polnische Illustratoren: Joanna Concejo und Józef Wilkoń.

Mafra Gagliardi (geb. 1935)

wurde in Motta di Livenza, einer Stadt im nordöstlichen Teil Venetiens, geboren. Dort lebte sie bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr und zog dann nach Padua, um an der Universität zu studieren.
Sie hat als Lehrerin, Theateranimateurin und Universitätsforscherin gearbeitet. Die Definition, mit der sie sich am ehesten identifiziert, ist jedoch „Kinderkulturforscherin”: Sie ist fasziniert von der Welt der Kindheit, ihren Bildern, ihrer Psyche. Kinder verblüffen sie mit dem Reichtum ihrer inneren Welt, der von Erwachsenen unterschätzt oder gar ignoriert wird. Vielleicht ist das der Grund, warum Mafra für Kinder schreibt – um sich mit ihnen in Beziehung zu setzen und Wahrheiten wiederzuentdecken, die in Stereotypen verborgen sind. Sie kreiert, um ihren Blick auf die Welt zu teilen, der offen für ursprüngliche Emotionen und intensive Wahrnehmung ist. Sie ist sich auch bewusst, dass die Autor-Leser-Beziehung wechselseitig ist: Die Kinder, die ihren Geschichten lauschen, erhalten Anregungen, die Wahrnehmungsfähigkeit, Phantasie und Emotionen entwickeln. Es ist eine Beziehung, die beiden Parteien Freiheit gibt und das Wohlbefinden steigert.

Die gleiche Art von freier Fantasie fand sie bei Štěpán Zavřel. Ihre Schwester lernte ihn bei einem Besuch in den Uffizien kennen und aus dieser zufälligen Begegnung wurde eine Freundschaft geboren. Štěpán besuchte Mafra in Padua, und im folgenden Jahr besuchte sie ihn in München. Eines Abends saßen sie in einer alten Brauerei im historischen Zentrum der Stadt und sprachen über ihre Projekte. Sie träumten beide davon, ein Kinderbuch zu schreiben. Aber es sollte anders sein als die auf dem Markt befindlichen, ein Buch – wie Štěpán zu sagen pflegte – „aus Kunst gemacht”. Es sollte durch das Gemälde eines großen Künstlers inspiriert werden, und durch das Märchen wollten sie die privilegierte Beziehung zwischen Kindheit und Kunst entwickeln. So entstand „Der Zauberfisch”, inspiriert von Paul Klees „Goldfisch”, für den Mafra den Text schrieb und Štěpán die Zeichnungen anfertigte. Dieser Bildband wurde 1966 von Annette Betz aus München veröffentlicht und 2010 von Bohem Press in Italien nachgedruckt.



Übersetzer

Ewa Nicewicz

Italianist, Literaturwissenschaftler, Übersetzer aus dem Italienischen. Doktor der Geisteswissenschaften an der Universität Warschau und der Universität Padua, Assistenzprofessor am Institut für Literaturwissenschaft der UKSW. Forscherin für italienische Kinder- und Jugendliteratur, mehrfache Stipendiatin des italienischen Außenministeriums, Mitglied des Kapitels des Leopold-Stab-Literaturpreises. Sie übersetzt unter anderem Werke von Gianni Rodari, Roberto Piumini, Beatrice Alemagni und David Morosinotta. In ihrer Freizeit liest sie, geht im Wald spazieren und bastelt. Sie liebt Berge, guten Kaffee und Pfingstrosen. Mutter von Irenka und Antoś. Sie lebt in Warschau.

Natalia Mętrak-Ruda

Kulturwissenschaftler, Literaturübersetzer und kulinarische Journalistin. Zu ihren Übersetzungen aus dem Italienischen gehören Bücher von Dario Fo und Sandro Veronesi, Jugendbuchreihen von Moony Witcher und Bilderbücher von Gabriele Clima. Aus dem Englischen übersetzte sie Adam Nicolsons „Sea Birds Cry”, Marie Benedicts „Mrs. Einstein” und Paul Shapiros „Clean Meat”. Sie schreibt über die polnische Küche für Ausländer auf culture.pl und betreibt eine einflussreiche Website über die Geschichte der Kochkunst, Przeszłość od Kuchni.  

Monika Motkowicz

Sie übersetzt aus dem Französischen, Italienischen und Englischen.

Abschluss in romanischer Philologie an der Jagiellonen-Universität, Fachbereich Literatur- und Sozialwissenschaften an der Université Paris XII und Postgraduiertenstudium für Übersetzer von Fachtexten am UNESCO-Lehrstuhl für Übersetzungsstudien und interkulturelle Kommunikation.
Bis heute hat sie über zwanzig Bücher übersetzt, darunter Romane von Elisa Puricelli Guerra und Francesco Gungui, sowie mehrere Spiel- und Dokumentarfilme für Festivals. Jeder übersetzte Titel ist ihr ganzer Stolz.

Sie hat ein Faible für Kinderliteratur und greift leidenschaftlich gerne auf die Bücher zurück, die sie als Kind gelesen hat. Das Übersetzen von Kinderliteratur bereitet ihr große Freude.  
Sie ist süchtig nach Geheimagenten-Serien, Reisen abseits der ausgetretenen Pfade und Tiramisu.

Über das Projekt:

Immer mehr Kinder wachsen in multikulturellen und mehrsprachigen Familien auf. Europäisch sein heißt für sie: Schule und Heimat in Deutschland, Urlaub in Polen. Es ist Papa aus Paris und Mama aus Rom. An den Feiertagen vermischen sich Traditionen, Gerichte und Geschichten. Die Kinder bewegen sich frei zwischen den Kulturen, ziehen daraus die besten Modelle, suchen nach Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten.

Für viele Europäer ist Emigration und Mehrsprachigkeit eine alltägliche Erfahrung. Wir wandern aus und lassen uns an neuen Orten nieder, um eine Ausbildung, eine Arbeit und manchmal – ein neues Leben zu beginnen. Auch Štěpán Zavřel, ein tschechischer Illustrator, Schriftsteller und die zentrale Figur unseres Projekts, hatte eine solche Erfahrung. Zavřel, selbst fließend in mehreren Sprachen, schrieb und veröffentlichte seine Bücher in vielen Ländern und Sprachen. Die universelle Botschaft seiner Arbeit ist auch heute noch genauso relevant.

Das Projekt „I, European” zielt darauf ab, die kulturelle und sprachliche Vielfalt zu unterstützen und zu fördern und die besondere Rolle der Übersetzer bei der Förderung der Literatur hervorzuheben. Dank ihnen können wir andere Länder besuchen, ohne unser Zuhause zu verlassen.

Sie sind herzlich willkommen!